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Ein neues Kapitel für eine vergessene Region. Eine Investition von 200 Millionen verwandelte eine ehemalige Kaserne im Český les in ein Hotel

27. Juli 2023
Die Unternehmerfamilie Karhan wollte ein Hotel mit Bistro bauen. Aus dem ursprünglichen Plan wurde jedoch ein Resort mit Wellnessbereich, Bar und einem Restaurant, das aus den Gaben der umliegenden Wälder schöpft.
Ein neues Kapitel für eine vergessene Region. Eine Investition von 200 Millionen - Resort Český les

Die Region Český les im Westen Böhmens, direkt an der Grenze zu Deutschland, ist einer der wenigen Orte unseres Landes, an dem man selbst im Sommer den ganzen Tag durch die Landschaft wandern kann, ohne einer Menschenseele zu begegnen. In ihren Hügeln verbergen sich tiefe Wälder und Dutzende erloschener Dörfer, deren Namen an die reiche Glasmachervergangenheit der Gegend erinnern. Diese ungewöhnliche Ruhe und die besondere Atmosphäre sprachen den Unternehmer Jindřich Karhan an, der hier gemeinsam mit seinem Sohn Ondřej in den Bau eines Vier-Sterne-Resorts auf dem Gelände einer ehemaligen Militärkaserne investierte.

Die Glasmachervergangenheit des Český les reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als die Herren von Švamberk hier die ersten Hütten errichteten. Ihre Blütezeit erlebte die Glasmacherei im 18. und 19. Jahrhundert; neben den Namen mehrerer Dörfer zeigt sich die Bedeutung des Handwerks auch am Namen eines der hiesigen Gipfel, der Sklářský (Glasmacherberg) heißt. In der Gegend gab es außerdem zahlreiche Schulen und Vereine, der Region ging es wirtschaftlich gut, und auch der Tourismus gedieh hier.

Doch dann kamen der Zweite Weltkrieg und danach die Vertreibung der deutschen Bevölkerung, die hier zahlreich vertreten war. Nach dem Bau des Eisernen Vorhangs verwandelte sich die gesamte Gegend zudem in ein gefährliches Grenzgebiet, in dem es nicht ratsam war, auf eigene Faust umherzustreifen. Auf markanten Gipfeln entstanden hier auch vier abschreckende Militäranlagen, mit deren Hilfe die Kommunisten beobachten konnten, was in der Umgebung geschah.

Ein neues Kapitel für eine vergessene Region. Eine Investition von 200 Millionen (2) - Resort Český les

Beim Entdecken des Český les begegnen Sie oft keiner Menschenseele.

Nach der Vertreibung der Bewohner begannen die leeren Grenzdörfer zu verfallen; bis heute sind von ihnen nur Fundamente oder Mauerreste erhalten, die fast unbemerkt in der Landschaft verharren. Im Fall des Dorfes Pleš stößt man sogar auf Überreste einer Kirche und auf einen Friedhof, der heute von Menschen aus Deutschland gepflegt wird. Im Český les blieb aber auch eine ganze Reihe von Bauten aus dem vergangenen Jahrhundert erhalten. Etwa die Militärkaserne im Dorf Železná unweit von Bělá nad Radbuzou, deren Formensprache darauf schließen lässt, dass sie Mitte der 1980er-Jahre entstand. Sie wurde 2020 zusammen mit dem Gebäude der ehemaligen deutschen Schule von Jindřich und Ondřej Karhan gekauft, den Eigentümern der Investmentgruppe FKCG. Und sie beschlossen, ein Resort daraus zu machen.

„Jindřich hat den Český les vor etwa 30 Jahren für sich entdeckt und den Ort ins Herz geschlossen – anders geht es hier nämlich gar nicht. Und als sich die Möglichkeit ergab, beide Gebäude zu kaufen, waren er und sein Sohn sich einig, dass sie es angehen. Ihnen war klar, dass es hinsichtlich der Rentabilität ein Langstreckenlauf werden würde, aber für uns alle war es damals schon eher eine Herzensangelegenheit“, erklärt Linda Schneiderwindová, die in der Investmentgruppe FKCG als Managing Director für den Bereich Gastgewerbe tätig ist.

Dabei ist es nicht die erste Investition der Familie Karhan in dieser Gegend. In der Vergangenheit ließ Jindřich Karhan hier den deutsch-tschechischen Park Smíření (Versöhnung) anlegen sowie ein Wildgehege, in dem heute Damwild und Rotwild leben. Für die Umgestaltung der einstigen Kaserne zum Resort Český les war eine Investition von fast 200 Millionen Kronen nötig. Ursprünglich war mit einem niedrigeren Betrag gerechnet worden, doch dann kamen Investitionen in Solarpaneele und eine Wärmepumpe hinzu, und auch das gesamte Übernachtungskonzept änderte sich grundlegend.

„Das Gebäude war für Unterkunft und Verpflegung gebaut, es war also kein großes Problem, ein Resort daraus zu machen. Die innere Aufteilung konnte praktisch unverändert bleiben, und auch die Küche hatte hier viel Platz. Ursprünglich dachten wir, wir machen Apartments und dazu ein unkompliziertes Bistro. Doch im Lauf des Baus ist uns das ein wenig entglitten, und am Ende haben wir hier auch ein großes Restaurant, eine Bar und einen Wellnessbereich“, lacht Schneiderwindová.

Für großartiges Essen, Champagner und Whisky

In der Umgebung muss man nämlich selbst nach einer gewöhnlichen Kneipe lange suchen. Umso mehr wirkt das Restaurant Hvozd im Resort Český les wie eine Erscheinung. Die Küche leitet Martin Šiling, der zuvor unter anderem im Prager Lokal Zátiší tätig war, sich nun aber entschied, sein Wirkungsfeld zu wechseln und in die Natur zu gehen. Genau aus dieser umgebenden Natur schöpft auch das hiesige gastronomische Konzept. Es setzt auf lokales Fleisch, Wild, Fisch und Milchprodukte.

„Martin hat uns schönes Essen mitgebracht und die Vision, dass sich unser Verhältnis zur Natur auch in der Küche niederschlagen kann. Wir wollen vor allem lokale Produkte verwenden, um die Erzeuger der Region zu unterstützen. Perspektivisch möchten wir auch Yak-Steaks ausprobieren, weil ein Landwirt aus der Umgebung Yaks züchtet“, erläutert Schneiderwindová. Die Küche setzt dabei auf Einfachheit und auf Gerichte, die wir gut kennen, etwa Dillsoße, Hirsch in Rahmsoße oder Kalbsschnitzel. Die Karte ist nicht überladen, und zugleich lassen alle Gerichte den Geschmack der Hauptzutaten zur Geltung kommen.

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Hinter der architektonischen Lösung steht Barbora Mluvková.

Die erwähnte Bar, in der Champagner De Venoge und Whisky den Ton angeben, liegt im Untergeschoss des Resorts und heißt Kotelna, was laut Schneiderwindová einen ganz banalen Grund hat: Sie befindet sich genau dort, wo einst der Heizraum war. Seine Überreste sind auch im Interieur präsent, denn die Rippen des alten Kessels hängen an der Wand und sind zugleich in eine frei stehende Edelstahlkonstruktion eingelassen, die als minimalistischer Bartresen dient. „Da hängen bei uns also 800 Kilo an der Wand, das war eine ziemlich harte Nuss,“ lacht Schneiderwindová.

Hinter der heutigen Gestalt des Resorts samt sämtlicher Interieurlösungen stehen die Architektin Barbora Mluvková und ihr Studio Konceptual. Sie ließ sich von der umliegenden Natur inspirieren, und so ziehen sich die Verbindung von Holz, Metall und Glas, minimalistische Linien und eine neutrale Farbpalette durch den gesamten Raum und alle Zimmer. Die Zimmer haben den Charakter eines Design-Boutiquehotels, und zu jedem gehört zusätzlich eine kleine Küche. Über alle Betten hat die Architektin Fototapeten mit Motiven des Český les (Böhmischer Wald) des Fotografen František Zvoneček gesetzt.

Zum Hotel gehört das Restaurant Hvozd

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Schon die Dekoration im Zimmer lädt dazu ein, die Geheimnisse der Umgebung zu entdecken. Aufbrechen kann man zu Fuß oder mit dem Rad, man sollte allerdings mit dem hügeligen Relief der Landschaft rechnen. Und Schneiderwindová merkt an, dass die Gegend im Winter auch bei Langläufern einen guten Ruf hat, vorausgesetzt, es fällt genug Schnee. Alternativ geht es auf die deutsche Seite an den Skihang Hohenbogen, zu dem Gäste sogar aus Plzeň anreisen.

Für welche Aktivität sich die Gäste hier auch entscheiden, nach der Rückkehr erwartet sie ein gemütlicher Wellnessbereich mit Liegebank und Infrarotkabine, dazu eine richtig heiße finnische Sauna und ein Dampfbad. Ergänzt wird das durch ein Tauchbecken, einen Eimer mit Eiswasser für Mutige und einen Kneipp-Pfad, der müde Beine wieder durchblutet. „Im Garten wollen wir außerdem einen holzverkleideten Außenwhirlpool bauen, damit die Gäste am Abend schön entspannen können, vielleicht bei einer Flasche Champagner,“ sagt Schneiderwindová.

Unterkunft in einer Schule aus der Ersten Republik

Das sind allerdings nicht die einzigen Pläne, die die Familie Karhan mit dem Resort verfolgt. Derzeit entsteht hier die Infrastruktur für ein Sommerkino, neben dem Resort könnte außerdem ein Aussichtsturm wachsen, und unter der Regie der Architektin Mluvková läuft auch der Umbau des ehemaligen Schulgebäudes. Dort sollen acht Boutique-Apartments entstehen, zwei davon gut zugänglich für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Im Dachgeschoss entsteht ein luxuriöses Apartment mit 100 Quadratmetern.

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„Der Český les (Böhmischer Wald) ist ein ungemein ruhiger Ort, dem in der Vergangenheit jedoch viel Leid zugefügt wurde und aus dem das Leben verschwunden ist. Wir wollen zumindest ein wenig dazu beitragen, die Region zu stärken, deshalb überlegen wir uns für unsere Gäste Aktivitäten, die an diesem Ort wirklich Sinn ergeben. Gemeinsam mit der Verwaltung des Landschaftsschutzgebiets haben wir zum Beispiel Führungen im Wildgehege entwickelt, und wir haben einen Stiftungsfonds gegründet, über den wir der Region ebenfalls etwas zurückgeben wollen,“ schließt Schneiderwindová.

In den Konferenzräumen im Untergeschoss des Resorts finden neben Teambuilding-Aktivitäten und anderen Firmenveranstaltungen zum Beispiel auch Yogastunden statt. Železná könnte so zur ersten Schwalbe werden, die einen Hauch der Vorkriegszeit zurück in den Český les bringt. Auch wenn dessen Geschichte alles andere als heiter ist, hat er es keineswegs verdient, vergessen zu werden. Beim Gang durch die hiesigen Wälder wird einem zudem bewusst, wie wenige Orte mit einer derart besonderen Ruhe es in unserem Land noch gibt.

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