VERSCHWUNDENE DÖRFER
Machen Sie sich auf zu Orten, an denen die Zeit stehen geblieben ist und die wilde Natur sich zurückgeholt hat, was sie dem Menschen vor Jahrhunderten überlassen hatte. Die Gegend um Železná verbirgt eine ebenso faszinierende wie beklemmende Geschichte. Nach der Errichtung des Sperrgebiets verschwanden hier Dutzende blühender Dörfer, Glashütten und Weiler von den Landkarten und vom Erdboden. Heute können Sie zwischen den tiefen Wäldern die Steinfundamente alter Häuser, freigelegte Kirchenruinen, Obstalleen und vergessene Brunnen entdecken. Besuchen Sie Orte mit einzigartigem Genius Loci, an denen die Stille eindringliche Geschichten aus dem böhmisch-bayerischen Grenzland erzählt.
PLEŠ – DIE KÖNIGIN DER VERSCHWUNDENEN DÖRFER DES ČESKÝ LES
Das Gedächtnis der Hochebene: wo die Stille starke Geschichten erzählt
Hoch auf der entwaldeten Hochebene des Český les, nur wenige Schritte von der bayerischen Grenze entfernt, stand einst das blühende Bergdorf Pleš. Über tausend Menschen lebten hier, und der Ort sprühte vor Leben: eine bekannte Glashütte, eine Schule, Mühlen, ein Zollamt, ein traditionelles Wirtshaus und zwei majestätische Kirchen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit dem unerbittlichen Aufbau des verbotenen Grenzstreifens ereilte Pleš jedoch das eisige Schicksal Dutzender Grenzsiedlungen. Der Ort wurde flächendeckend dem Erdboden gleichgemacht und verschwand für Jahrzehnte fast völlig von den Landkarten und aus dem Bewusstsein der Menschen.
Heute ist Pleš ein außergewöhnlich eindrucksvoller Ort mit einem unverwechselbaren Genius Loci, der tiefe Stille und unberührte Natur bietet. Dank der einstigen Ortsbewohner und örtlicher Enthusiasten wurden nach und nach die Grundmauern der Friedhofskirche St. Johannes der Täufer freigelegt und der alte Friedhof pietätvoll wiederhergestellt; ein aufmerksames Auge entdeckt dort auch ein symbolisches Grab mit einer Dornenkrone aus Stacheldraht, das dem Andenken des berühmten örtlichen Fluchthelfers und Försters Josef Zíka gewidmet ist.
Eine neu errichtete und geweihte Kapelle, die genau an der Stelle der ursprünglichen pseudogotischen Kirche Mariahilf steht, hat der Ebene ihre geistliche Dimension zurückgegeben.
Das einzige Gebäude, das dem Abriss wie durch ein Wunder entgangen ist, ist das einstige Forsthaus. Heute dient es als Pension und Restaurant.
Das gesamte Gebiet ist zudem von den seltenen Torfmooren und Feuchtwiesen des Naturdenkmals Veský mlýn umgeben, von wo aus sich atemberaubende Panoramen in die böhmische wie in die bayerische Landschaft öffnen. Pleš ist damit ein bestens erreichbares und unvergessliches Ziel für alle, die Ruhe, Geschichte und unberührte Natur suchen.
DIE ELEGANZ HERRSCHAFTLICHER JAGDEN, VERSCHWUNDEN IM MOOS
Romantické srdce hvozdů: Zapomenutá elegance Dianina dvoru
Mitten in den tiefen, stillen Wäldern unweit des Dorfes Rybník verbirgt sich einer der romantischsten Orte des ganzen Český les: die Ruine des einstigen Jagdschlösschens Dianin dvůr, auf Deutsch Dianahof.
Seinen Namen erhielt es nach der römischen Göttin der Jagd, und im 18. Jahrhundert ließ es das Grafengeschlecht der Stadions als bewegende Oase der Ruhe für seine Jagden und Vergnügungen errichten. Später entstand rund um das Schlösschen auch eine kleine Waldsiedlung mit dem Sitz des Forstamtes, die diesem abgelegenen Winkel einen einzigartigen Zauber und ein reges gesellschaftliches Leben verlieh. Eine tragische Wende brachten jedoch der Zweite Weltkrieg und die anschließende Aussiedlung des tschechischen Grenzlandes. Nach der Errichtung des verbotenen Grenzstreifens wurden das Schlösschen und die angrenzenden Bauten verlassen und dem Verfall preisgegeben. Ohne Instandhaltung verfielen die Gebäude und verschmolzen allmählich mit der umgebenden Natur.
Heute treten hinter Bäumen und hochgewachsenem Efeu geheimnisvoll die erhaltenen Steinmauern, das Umfassungsmauerwerk des Hauptpalais sowie die Torsi der Wirtschaftsgebäude hervor. Ein Spaziergang zum Dianin dvůr bietet Ihnen ein unwiederholbares Erlebnis und einen starken Genius Loci – die Verbindung aus bewegter Geschichte, herrschaftlichem Luxus vergangener Zeiten und der Vorherrschaft der wilden Natur. Der Ort ist über markierte Wander- und Radwege hervorragend erreichbar und ist ein idealer Halt für alle, die in der Stille des Waldes die verborgenen Geheimnisse des böhmisch-bayerischen Grenzlandes entdecken möchten.
VERSCHWUNDENE SCHÖNHEIT IM HUŤSKÝ-TAL
Die Geschichte von Valdorf: vom Ruhm der Glasmacher zum romantischen Schlösschen
Nur knapp drei Kilometer von Železná entfernt, im romantischen, tiefen Tal des Huťský potok, lag einst die Siedlung Valdorf (deutsch Waldorf oder Walddorf). Ihre Geschichte begann bereits am Ende des 17. Jahrhunderts, als hier eine berühmte Glashütte entstand, die feines weißes Tafelglas herstellte. Rund um die Glashütte errichteten Waldarbeiter und Glasmachermeister malerische Häuschen entlang des Weges, und das aufblühende Dörfchen erhielt nach und nach seinen festen Platz in der Geschichte des Grenzlandes. Als die Glasproduktion mit der Zeit verstummte und sich das Leben in der Gegend wandelte, wuchs hier auf den Fundamenten des alten Sägewerks eine neue Dominante heran – ein reizvolles romantisches Jagdschlösschen mit einem Obergeschoss in Blockbauweise und einem weitläufigen Waldpark, das das Adelsgeschlecht der Koc von Dobrš erbauen ließ.
Die schicksalhafte Wende bedeuteten für Valdorf jedoch das Ende des Zweiten Weltkriegs, die Aussiedlung der ursprünglichen Bevölkerung und die anschließende Einrichtung des verbotenen Grenzgebiets. In den bewegten Tagen des Kriegsendes brannte das malerische Schlösschen nieder, und in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das gesamte Dorf flächendeckend dem Erdboden gleichgemacht.
Heute ist das einstige Valdorf ein stiller und zutiefst eindrucksvoller Ort, an dem die wilde Natur die Spuren menschlicher Arbeit nach und nach verschluckt hat. Im Moos und zwischen den Bäumen entdeckt ein aufmerksamer Wanderer hier noch immer den Torso des Mauerwerks des herrschaftlichen Schlösschens, die Grundmauern alter Gebäude und die geheimnisvollen Arme des Huťský potok. Der Ort liegt nur ein Stück von den heutigen Wanderwegen entfernt und ist ein perfekter Halt für alle, die die schaurige Atmosphäre der vergessenen Winkel des Český les am eigenen Leib spüren möchten
AUF DEN SPUREN DES VERGANGENEN RUHMS DER GLASMACHERMEISTER
Das strahlende Erbe des Waldglases: Arnošts Schleiferei
In der Umgebung von Lesná wurde über Jahrhunderte hinweg ein faszinierendes Kapitel der tschechisch-bayerischen Glasmacherkunst geschrieben. Die dichten Wälder hier lieferten reichlich Holz, die reißenden Wasserläufe wiederum die nötige Kraft für den Antrieb der einzigartigen Glaspolier- und Glasschleifwerke.
Das Herz dieser Tradition bildeten die Siedlung Arnoštovo Údolí (Ernstberg) und die dortige Schleiferei, in der Glasmeister mit außergewöhnlicher Geduld rohe Tafeln in strahlende Spiegel und in klares, in ganz Europa gerühmtes Glas verwandelten. Wie viele andere Orte im Grenzgebiet verstummte jedoch auch dieser nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Bewohner zogen fort, und die Industriegebäude verschluckte das Sperrgebiet.
Heute führt durch diese geheimnisvolle Landschaft der sechs Kilometer lange Rundweg des Lehrpfads Glasmacherei, der die Besucher von Lesná über Knížecí Huť bis zu den Überresten der Arnoštova leštírna, der Poliermühle Ernst, bringt. Inmitten der wilden Natur am Huťský potok haben sich hier einzigartige steinerne Fundamente und der Torso einer seltenen rotierenden Poliermaschine erhalten, die ein stummer Zeuge der damaligen technischen Vollkommenheit ist. Der Spaziergang auf dem Lehrpfad bietet eine unwiederholbare Verbindung aus der reinen Natur des Český les, der Nostalgie alter Handwerke und einer betörenden Stille, in der Sie mit ein wenig Aufmerksamkeit auch die seltenen Bewohner der hiesigen Wälder erspähen können – von Waldfledermäusen bis hin zu verborgenen Waldtümpeln.
AUSFLUG ZU DEN VERGESSENEN GESCHICHTEN AUF DEM BYSTŘICKÝ VRCH
Bystřice: stille Erinnerungen unter den Kronen alter Obstgärten
Nur ein Stück von Železná entfernt, an den sonnenbeschienenen Hängen des Bystřický vrch, erstreckte sich die Bergsiedlung Bystřice (deutsch Fichtenbach). Das blühende Dörfchen mit einer malerischen Kapelle, einer Schule und traditionellen Steinhäusern war die Heimat mehrerer Dutzend Einwohner, die hier in enger Verbundenheit mit der rauen, aber schönen Natur des Český les lebten. Die bewegten Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg, die Vertreibung der Nachkriegszeit und die unerbittliche Entstehung der Sperrzone besiegelten jedoch auch ihr Schicksal. Die Menschen mussten fortgehen, die Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht, und aus der bis dahin lebendigen Siedlung wurde Niemandsland.
Heute ist Bystřice einer der ergreifendsten und unberührtesten Orte im gesamten Grenzland. An die verschwundenen Häuser erinnern hier nicht nur moosbewachsene Steinfundamente oder alte gusseiserne Kreuze, die in der Landschaft verstreut sind, sondern vor allem die majestätischen Obstalleen und Obstgärten. Diese alten Bäume blühen und tragen Jahr für Jahr weiter Früchte, stille Zeugen der Menschenschicksale, die sich hier zugetragen haben. Ein Spaziergang nach Bystřice ist Balsam für die Seele und schenkt tiefe Ruhe sowie herrliche Ausblicke auf die umliegende Landschaft und auf diesen vergessenen Winkel Heimat.
FRANČINA HUŤ – DIE VERLORENE GLASMACHERSIEDLUNG
Wo die wilde Natur den Glanz der Glasöfen verschluckte
Tief in den Wäldern unweit von Železná lag einst die Siedlung Frančina huť, deren Schicksal von Anfang an mit der schöpferischen Energie und dem harten Leben der Glasmachermeister verbunden war. Die hiesige Glashütte, im 18. Jahrhundert gegründet und nach der Gräfin Francesca Cukrová z Tamfeldu benannt, erzeugte gerühmtes Glas und hauchte einer ganzen kleinen Gemeinschaft Leben ein. Rund um die Hütte entstanden nach und nach Häuschen, ein Gasthaus und Waldbehausungen. In ihrer Blütezeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte dieses „im Wald verborgene Dorf“ über 160 Einwohner, einen eigenen Tabakladen und eine kleine Schulaußenstelle für mehr als vier Dutzend Kinder aus dem Ort. Noch in den 1930er Jahren lebten hier in knapp drei Dutzend Anwesen 157 Einwohner.
Wie so oft in diesem Grenzland verklang das goldene Zeitalter der Glasmacherei allmählich, und den Schlusspunkt hinter das gewöhnliche Dorfleben setzten der Zweite Weltkrieg, die Vertreibung der Bevölkerung und der unerbittliche Aufbau der verbotenen Grenzzone, in deren Folge die Siedlung in den 1950er Jahren dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Heute ist Frančina huť ein bezaubernder Ort, an dem sich die bewegte Geschichte vollkommen in wilder Natur aufgelöst hat. Ein Spaziergang über die einstigen Lichtungen vermittelt ein unvergleichliches Gefühl des Entdeckens – im Moos und unter hohen Bäumen erahnt der aufmerksame Wanderer hier noch immer die steinernen Fundamente alter Gebäude, Geländewälle, Überreste der Glasproduktion sowie einen alten Mühlgraben mit einem Teichlein. Ganz ohne Leben ist der Ort jedoch nicht geblieben. In den Sommermonaten lassen sich auf der hiesigen Lichtung Pfadfinderlager nieder, die in die Stille der Wälder für eine Weile Kinderlachen, das Knistern von Lagerfeuern und neue Energie zurückbringen. Frančina huť ist damit ein ideales Ziel für alle Besucher, die die belebten Routen verlassen, absolute Stille einatmen und die Magie der vergessenen Winkel des Český les am eigenen Leib erleben möchten.
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