GESCHICHTEN UND HISTORIE
Der Český les ist nicht nur eine Landschaft tiefer Wälder und stiller Wege. Er ist ein Ort voller Geschichten, die die Zeit nicht verweht, sondern behutsam in Moos, alte Steinmauern und das Rauschen der Bäume gedrückt hat. Gehen Sie mit uns durch die Geschichte einer Region, in der sich über Jahrhunderte Handwerk, Mut und Menschenschicksale verwoben haben. Entdecken Sie ein Land vergessener Glashütten, verschwundener stiller Dörfer und wilder Natur, die sich ihre Ruhe zurückgeholt hat. Jeder Ort im Český les hat etwas zu erzählen – man muss nur innehalten und zuhören.
DIE GESCHICHTE VON ŽELEZNÁ, DIE GESCHICHTE EINER SIEDLUNG AN DER GRENZE ZWEIER WELTEN

Die Geschichte einer Siedlung tief in den Wäldern
Die älteste Erwähnung des Ortes Železná (Eisendorf) stammt aus dem Jahr 1591, als das Dorf zur ausgedehnten Herrschaft der Burg Přimda gehörte. Im Jahr 1601 wurde die Herrschaft an Jan Tomáš Valdfogel von Lehemühle verkauft, der hier ein Schloss errichten ließ und aus Železná ein eigenständiges Gut machte. Bis 1696 gehörte die Herrschaft den Lammingern von Albenreuth und danach den Cukr von Tamfeld. Im Jahr 1796 erwarben die Koc von Dobrš die Herrschaft, die sie bis 1945 bewohnten.
Während des 30-jährigen Krieges (1618–1648) wird das Dorf als wüst geführt. An dem Ort ließ sich kaiserliches Militär nieder, das hier mächtige Befestigungen anlegte, die stellenweise bis heute erkennbar sind. Benannt wurden sie nach dem berühmten Feldherrn Tilly. An der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert begann das Dorf dank des Aufschwungs von Handel und Landwirtschaft erneut aufzublühen. Es entstanden Glashütten, und es wurde Eisenerz abgebaut, das dem Ort seinen Namen gab, obwohl der Abbau nie besonders bedeutend war. Im Jahr 1908 suchte ein verheerender Brand die Gemeinde heim, der binnen zwei Stunden an die sechzig Anwesen verschlang. Zu jener Zeit war Železná bereits zum Städtchen mit rund tausend Einwohnern erhoben worden.
Zur vollständigen Zerstörung des Dorfes kommt es in den Nachkriegsjahren, als die deutschsprachige Bevölkerung vertrieben wird. Um 1950 nennen die Quellen nur noch 250 Einwohner, und ihre Zahl sinkt weiter. Etwa 90 % der Bebauung des Städtchens wurden zerstört, darunter die Kirche der heiligen Barbara, das Schloss mit dem Park und weitere achtunddreißig Anwesen. Die Häuser wurden hier zum Einheitspreis von 250 Kčs verkauft, für Einheimische mit Rabatt für 50 Kčs. Das Herz des Ortes verschwand ohne nennenswerte Spuren.
Die Gemeinde Železná erwacht nach 1989 langsam wieder zum Leben, als neue Ferienhausbesitzer kommen und sich der grenzüberschreitende Handel zu entwickeln beginnt. Ein deutlicherer Aufschwung des Tourismus in Železná setzt erst mit der Entstehung von Resort Český les im Jahr 2023 ein.
Ihren tschechischen Namen erhielt Železná erst im Jahr 1958, bis dahin war sie als Eisendorf bekannt, was in beiden Sprachfassungen auf das Vorkommen von Eisenerz verweist. In Železná standen die Kirche der heiligen Barbara und das Schlösschen der Adelsfamilie Koc von Dobrš, deren Mitglieder nach 1945 gemeinsam mit der deutschen Bevölkerung fortgingen. Beide Baudenkmäler wurden samt Dutzenden von Häusern in der Zeit abgerissen, als Železná im Grenzgebiet lag. Versuche des Abbaus und das Schürfen von Erz fanden hier jedoch weit früher statt, als das Dorf mit dem Herrenhaus gegründet wurde. Deutsche Autoren der Vorkriegszeit berichten, dass einst der Diebstahl von Fischen aus dem Teich Pfrentscheiher (Vranečské jezero), der bereits im Jahr 1362 angelegt wurde und teilweise auf böhmisches Gebiet reichte, Gegenstand eines Streits zwischen den Nachbarn aus Bayern und den böhmischen Bergleuten war. Die Witwe des Mikuláš von Švamberk, Anna, geborene Kfelíř von Zakšov ( 1531), verlegte deshalb angeblich die Bergmannssiedlung an den Hang der Anhöhe Steinock, wo sich ebenfalls geeignete Bedingungen für den Abbau von Eisenerz fanden. Für das Jahr 1540 wird die Einöde Bergmannshäusl erwähnt, die offenbar zur Keimzelle des späteren Eisendorf, unseres heutigen Železná, wurde. Nach einer erhaltenen Wappentafel ließ Jan Šebastián Perglár im Jahr 1609 ein Schlösschen errichten. Dieses wurde jedoch nach der Schlacht am Weißen Berg (1620) konfisziert und an Wolf Vilém, Freiherrn Lamingen von Albenreuth, verkauft.
An der Staatsgrenze in unmittelbarer Nähe des heutigen Železná begegnet uns auch eine Einöde mit dem Namen Tilly Schanz. In ihrer Nachbarschaft befinden sich die Reste der Wälle einer alten Befestigung, die aus der Anfangszeit des sogenannten Böhmisch-Pfälzischen Krieges (1618-1623) stammt. Auf einer Grenzkarte aus dem Jahr 1674 liegt dieser Festungswall auf pfälzischem Gebiet und ist gegen die Zufahrtsstraße aus Böhmen gerichtet. Das Festungsbauwerk ist als Alte Schanz eingezeichnet und wurde vermutlich von den Soldaten Peter Ernsts II. von Mansfeld errichtet. Der Name Tillyschanz stammt offenbar aus jüngerer Zeit und erinnert an die Schlacht beim nahen Rozvadov, wo Johann Tilly auf böhmischer Seite umfangreiche Feldbefestigungen anlegen ließ.
Der neue Herr, Wolf Vilém Lamingen, vergrößerte seinen Besitz, den nach seinem Tod im Jahr 1635 die Vormünder seiner drei Söhne verwalteten. Der bedeutendste von ihnen war Wolf Maxmilián, berüchtigt unter dem Namen Lomikar, den wir als Unterdrücker der Choden aus der Gegend von Domažlice kennen.
Železná bestand zu jener Zeit aus 13 Bauernhöfen und 25 Häuslerhäusern und gehörte zur Herrschaft Svatý Kříž. Im Jahr 1686 erwarb Anna Terezie, geborene Cukrová (Zuckerová), die Herrschaft; sie heiratete anschließend Filip Emerich Metternich z Winneburgu. Unter den Cukr begann man im Grenzwald, ältere Glashütten wiederzubeleben und neue zu gründen, etwa Karlova Huť (Karlbach) oder Valdorf (Walddorf). Die Hütten wurden meist an Glasmachermeister verpachtet, beispielsweise an das Geschlecht der Mossburger aus Mossburg. Im Jahr 1781 gelangte die Herrschaft Svatý Kříž an Gräfin Františka Romana, verheiratet mit Jan Josef Koc, Freiherr von Dobrš, und blieb bis zum Jahr 1945 im Besitz dieses Geschlechts.
Zu jener Zeit zählte Železná bereits 63 Bauern mit ihren Familien, ein Schlösschen, einen Besatzteich und einen Wirtschaftshof mit Grundstücken. Im Dorf gab es einen Schmied, einen Schneider und einen Müller, in den umliegenden Wäldern arbeiteten noch immer Glashütten. Die Pfarrkirche der heiligen Barbara versorgte 665 Gläubige geistlich. Jan Josef war Freimaurer und besaß zudem künstlerisches Talent. In der Zeit, als die Koc die Herrschaft Svatý Kříž übernahmen, kam es auch zu einer gewaltigen kulturellen Entwicklung, die von den weiteren Nachfolgern des Geschlechts gefördert wurde. Aus der Zeit, in der die Koc von Dobrš Železná besaßen, liegen bereits weit mehr Informationen über das örtliche Schlösschen vor, das im Hof am großen Teich lag. Železná mit dem Hofareal, zu dem auch das Schlossgebäude gehört, ist in der Karte der ersten militärischen Landesaufnahme aus den Jahren 1764-1768 eingezeichnet. Mitte des 19. Jahrhunderts diente das Schlösschen noch immer als gelegentliche Wohnstätte der Herrschaft und bestand aus den folgenden Räumen – dem Zimmer des Herrn Barons, einer Wohnstube, einem Gästezimmer, einem Damenzimmer, einem Wohnraum, dem Speisezimmer, einem Vorraum und dem Dachboden. Möbel und Ausstattung des Schlösschens waren schlicht. Aus derselben Zeit ist auch eine knappe Beschreibung des Schlösschens überliefert:
„Das Gebäude mit Obergeschoss befindet sich im westlichen Teil des Wirtschaftshofes, mit der Hauptfassade nach Osten gewandt. Die Fassaden sind glatt verputzt, der Dachstuhl ist mit Schindeln gedeckt, im Erdgeschoss verfügt dieses Gebäude über 3 gewölbte Räume, eine gewölbte Küche und eine Kammer. An der Südseite des Gebäudes befinden sich ein Pferdestall und ein Abortanbau. Das Obergeschoss umfasst 7 durch einen Flur verbundene Räume, die Decken sind auf Schilfrohr verputzt, nach oben führt eine Holztreppe. Sein Wert wurde auf 3 078 Gulden geschätzt.“ Am 15. Juli 1898 ereilte Železná eine Katastrophe – ein wahrscheinlich von Brandstifterhand gelegtes Feuer erfasste einen beträchtlichen Teil der Gemeinde.
Die von starkem Wind getriebenen Flammen zerstörten fast die Hälfte der Häuser samt ihren Wirtschaftsgebäuden. Auch die Kirche, die Pfarrei und das Postamt blieben vom Feuer nicht verschont. Der herrschaftliche Hof, durch einen Teich geschützt, blieb unversehrt. Das Feuer soll von Brandstiftern gelegt worden sein, und zwar zu einer Zeit, als die meisten Bewohner auf den Feldern waren. Binnen zwei Stunden sanken insgesamt 58 Hausnummern einschließlich der Wirtschaftsgebäude in Asche. Verschont blieben 78 Häuser von insgesamt 136 Anwesen. 115 Familien, also 600 Einwohner, verloren das Dach über dem Kopf. Im Jahr 1905 wurde Železná der Regionalliteratur zufolge zum Städtchen. Im Jahr 1934 verpachtete die Familie Koc den herrschaftlichen Hof und die Grundstücke für zehn Jahre an den örtlichen Landwirtschaftsverein.
Die Einrichtung des Schlösschens wurde ausgeräumt, und die Herrschaft kehrte nie wieder dorthin zurück. Aus Familienfotos geht hervor, dass die Koc den Aufenthalt im Jagdschlösschen bei Valdorf vorzogen, das sie im Jahr 1868 errichten ließen. Forstwirtschaft und Jagd standen für den letzten in Böhmen lebenden Koc an erster Stelle. Jindřich Koc starb kurz nach seinem erzwungenen Weggang nach Deutschland im Jahr 1956, und die Schlösser, die die Familie besaß – Újezd Svatého Kříže, Eisendorf und Valdorf) verfielen nach und nach. Kurz nach 1945 lag Eisendorf im Grenzgebiet. In dem Städtchen, in dem 1930 noch 2870 Einwohner lebten, wohnten laut der Statistik von 1950 insgesamt 250 neu angesiedelte Bewohner, deren Zahl 1961 auf 101 sank. Den größeren Teil der Bebauung näher an der Grenze beseitigten die Soldaten unmittelbar nach der Ausrufung des Grenz- und Sperrgebiets. Anfang 1952 fiel sogar die Entscheidung, den Ort auszusiedeln, ihn abzureißen und sein Areal nach und nach aufzuforsten. Die Grenzwache zerstörte auch die Straße, die Böhmen über Jahrhunderte hinweg mit der Oberpfalz verbunden hatte.
In jenem Jahr erscheint das Schlösschen mit dem Gutshof zum letzten Mal auf einer Luftaufnahme der Gemeinde. Eisendorf – Železná, das ehemalige Städtchen unmittelbar an der tschechisch-bayerischen Grenze, veränderte sich nach 1948 bis zur Unkenntlichkeit.
Zwei Drittel der Bebauung wurden abgerissen, darunter die Kirche der heiligen Barbara, der die folgenden Zeilen gewidmet sind.
Die Kirche der hl. Barbara als geistliches Herz von Železná
Unklare schriftliche Nachrichten über die Kirche, die vermutlich seit ihrer Gründung der Bergmannspatronin, der heiligen Barbara, geweiht war, tauchen bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf. Als Beleg dienen uns das mit dem Jahr 1631 beginnende Kirchenbuch sowie die von Petr Siegler verfasste Eisendorfer Chronik. Ihnen zufolge diente das Haus Nr. 69, das im Westen an die Friedhofsmauer grenzte, einst als Wohnung eines protestantischen Geistlichen. Diese ursprüngliche, angeblich evangelische Kirche stand also westlich der Kirche der heiligen Barbara, die wir von historischen Fotografien kennen. Die 1965 gesprengte katholische Kirche wurde von Wolf Vilém Lamingen gegründet oder vielmehr erneuert, der die Herrschaft im Jahr 1630 erwarb. Im Jahr 1718 ließ Václav Josef Cukr von Tamfeld an die Kirche einen prismatischen Turm anbauen. Im Jahr 1844 ersetzte ein neues, an den Turm angeschlossenes Schiff jenes der älteren, abgerissenen Kirche. Der mächtige Barockbau aus einem gewölbten Schiff, ergänzt durch den prismatischen Turm und die Sakristei, erreichte eine Gesamtlänge von 40 m bei einer Schiffsbreite von 15 m. Im Jahr 1881 trat Pater Jan Nepomuk Hügel den Dienst in der Pfarrei an und machte sich an die Instandsetzung des Pfarrhauses und der Kirche, die sich in erbärmlichem Zustand befanden. Er ließ die Außenfassaden erneuern und den Innenraum weißen. Während dieser Arbeiten ließ der Pfarrer verschiedene Bänke und Sitze aus der Kirche schaffen, die einzelne einflussreiche Familien selbst hineingebracht hatten. Die Kirche erinnerte nämlich eher an eine Markthalle als an ein Gotteshaus. Damit zog er sich jedoch den Zorn und den Hass der einflussreichen örtlichen Familien zu, die diese Plätze in der Kirche seit Langem besetzt hielten. Das bischöfliche Konsistorium in České Budějovice wie auch die weltlichen Behörden, an die die Klagen der Einwohner gingen, stellten sich zwar eindeutig auf die Seite des Pfarrers, milderten den Hass der örtlichen Familien jedoch nicht. Die Einwohner von Železná wurden deswegen sogar zur Zielscheibe von Spott. Im benachbarten Pleš oder in Nová Ves erzählte man sich hämisch über sie, „den Pfarrkindern in Eisendorf können in der Kirche die Spinnweben bis ins Maul hängen, Hauptsache, sie haben dort ihre Plätze“. Pater Hügel ging sogar auf eigenen Wunsch von Železná fort auf die Pfarrstelle in Hora Svatého Václava, kehrte jedoch 1886 zurück, um die Erneuerung der Kirche zu vollenden. Im Jahr 1898 brannte die Kirche beim großen Brand des Städtchens zum großen Teil nieder, wurde aber binnen kurzer Zeit wiederhergestellt. Pfarrer Hügel wurde zum Augenzeugen und Beteiligten dieser Katastrophe. Am 15. Juli 1898 brach um halb zwei Uhr nachmittags in der Scheune von Georg Hofmann, Haus Nr. 71, ein Feuer aus, das sich wegen des starken Nordwestwindes rasch ausbreitete. „Da die Pfarrkirche damals noch mit Schindeln gedeckt war und sich somit in großer Gefahr befand, musste ich vor allem daran denken, das Allerheiligste und die übrigen liturgischen Gegenstände in Sicherheit zu bringen, und zwar in den Keller, der sich damals im Pfarrgarten befand. Inzwischen brannte bereits das ganze Pfarrhaus. Von all meinen Sachen und Büchern und Schriften, die ich wegen der Feuchtigkeit in der Wohnung auf dem Dachboden aufbewahrte, wurde nicht das Geringste gerettet. Da auch das Schindeldach des Kellers im Garten Feuer gefangen hatte, musste ich das Allerheiligste und die Gegenstände, die ich in aller Eile aus der Kirche getragen hatte, zunächst aus dem Keller in den Garten und danach, als die Flammen bereits bis dorthin reichten, auf den Pfarracker hinter dem Garten schaffen und dort das Allerheiligste und die übrigen Gegenstände vor menschlichen Hyänen bewachen. Inzwischen hatte auch der Kirchturm von innen zu brennen begonnen. Die Alarmglocken verstummten, und das ganze Kirchendach stand binnen weniger Augenblicke in Flammen. Nun aber eilten die Arbeiter des Sägewerks Tillyschanz herbei und retteten auf Befehl des Herrn Tharandt, des Sägewerksverwalters, aus der brennenden Kirche und dem brennenden Pfarrhaus, was noch zu retten war. Weil ich vor allem darauf bedacht war, die Matriken, von denen eine mit dem Jahr 1654 begann, das Pfarrarchiv sowie die übrigen Pfarrschriften und -bücher in Sicherheit zu bringen, wurde von meinen Möbeln, Kleidern, Betten, der Wäsche usw. nur das Nötigste gerettet und auf den Pfarracker hinter dem Pfarrgarten getragen. Die Kirche stand inzwischen bereits ganz in Flammen. Der Kirchturm stürzte ein, drei geschmolzene Glocken fielen herab, vom Turm her brannte der Chor mit der Orgel, und durch die Sakristei begann auch der Altar zu brennen. Zum Glück erschien in diesem Augenblick mein lieber Herr Nachbar, Alexius Sperl, Pfarrer aus Esrlarn, mit der Eslarner Feuerwehr und einigen bayerischen Grenzaufsehern. Diese drangen in die brennende, rauchgefüllte Kirche ein und löschten mit einer Handspritze den brennenden Chor und den Altar mit Weihwasser.“
Der brennende Dachstuhl der Kirche durchschlug glücklicherweise nicht das Gewölbe des Kirchenschiffs. Noch im selben Jahr wurde mit der Wiederherstellung der Kirche und des Glockenturms begonnen, und die brennbaren Schindeln auf dem neuen Dachstuhl des Schiffs wurden durch Schiefer ersetzt. Die Ruinen des ausgebrannten Pfarrgebäudes wurden abgetragen. Im Jahr 1899 begann der Bau eines neuen Pfarrhauses, in das Pfarrer Hügel bereits 1900 einziehen konnte. Mit Pfarrer Emil Douša, der 1912 nach Železná kam und die Pfarrei bis 1937 verwaltete, erhielt Železná erneut einen fleißigen und überaus tatkräftigen Mann. Die Kirche wurde instand gesetzt, sie erhielt neue Glocken, das Mobiliar wurde restauriert, und auch die Trockenlegung des Gotteshauses sowie seine Elektrifizierung wurden durchgeführt. Im Jahr 1916 gab Pater Douša die Reparatur des stark beschädigten Hochaltars in Auftrag, ebenso wurde die Rekonstruktion der Kanzel bestellt. Das Weißen der Kirche übernahm zur Zeit des 1. Weltkriegs der Maler Friedl aus Mariánské Lázně. Die Gewölbe des Presbyteriums wurden mit Fresken des Malers Theodor Schenchl geschmückt.
Die mittlere Szene zeigte die Muttergottes mit weit ausgebreitetem Schutzmantel. Auf der einen Seite barg sich darunter die „lehrende“ Kirche, vertreten durch den Heiligen Vater, den Bischof und die übrigen Mitglieder des Klerus (der Domherr ähnelte nach Meinung vieler dem Pfarrer Douša, was dieser bestritt). Auf der anderen Seite verbarg sich unter dem Mantel die „hörende“ Kirche, dargestellt durch zwei Soldaten sowie Frauen mit zwei Kindern, die die Muttergottes um den Schutz ihrer Väter baten.
An die traurige Zeit des 1. Weltkriegs, in deren Schatten die Fresken entstanden, erinnerten auch weitere Fresken mit den Kriegspatronen – dem hl. Wenzel, dem hl. Heinrich und dem hl. Sigismund. Diese hatten jedoch eine tiefere Symbolik. Der hl. Wenzel stand für den verstorbenen Wohltäter der Kirche, Václav Koc, der hl. Heinrich für den damaligen Besitzer der Herrschaft, Jindřich Koc, und der hl. Sigismund für den Patronatskommissär Zikmund Bodenstein. Damit war es aber noch nicht genug. Der Erzengel Gabriel auf dem Hauptfresko sollte an die Baronin Gabriela, die Gattin von Jindřich Koc, erinnern. Die Engelsköpfchen auf den Fresken trugen die Züge seiner vier Kinder, weitere die der Kinder der herrschaftlichen Beamten, und auch die Nichten des Pfarrers Douša fehlten nicht. Schließlich kam noch eine Darstellung der Kirchenpatronin, der heiligen Barbara, hinzu. Den Triumphbogen ergänzte, wie es guter Brauch war, das Wappen der Kirchenpatrone, der Koc von Dobrš. Auf Fotos aus dem Jahr 1965 ist zu erkennen, dass die auf den Fresken dargestellten Heiligenfiguren ausgeschossene Augen, weil sie den Soldaten der Grenzwache als Schießscheiben gedient hatten. Die Glocken mit den Antikriegsinschriften, die Pfarrer Emil Douša der Kirche im Jahr 1922 verschaffte, nachdem die ursprünglichen Glocken 1916 für Kriegszwecke beschlagnahmt worden waren, wurden während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten für die Zwecke des Großdeutschen Reiches konfisziert. Nach dem ungeklärten Weggang von Pfarrer Douša im Jahr 1937 trat Priester Karel Sipetzky seinen Dienst an, der hier während der gesamten Kriegszeit wirkte. Aus der Zeit kurz nach dem Krieg gibt es nur wenige Dokumente, die uns über das Leben der Pfarrgemeinde informieren, etwa ein Bericht vom 19. Oktober 1945:
„Das Pfarramt in Eisendorf teilt dem Gemeindeamt in Eisendorf mit, dass der hiesige Friedhof bereits überfüllt ist…“ Dechant Karel Sipetský beantragt für den neuen Friedhof die Zuweisung einer Fläche, die bereits ausgewählt ist.
Als die Kommunisten nach 1948 in der Tschechoslowakei die Macht übernahmen, lag die ausgesiedelte Gemeinde Železná im verbotenen Grenzgebiet. Ab 1947 verwaltete Pfarrer František Brož die Pfarreien Eisedorf und Pleš; er wirkte hier bis zur Auflösung beider Pfarreien, zu der es wahrscheinlich schon 1951 kam.
Laut einer Aufzeichnung der Direktorin Jitka Pavlíková vom Denkmalamt in Plzeň wurde die Kirche 1952 ausgeraubt und 1956 dem örtlichen Staatsgut zur Lagerung von Heu übergeben. Einem Augenzeugen zufolge wurde die Kircheneinrichtung damals tatsächlich auf einen Leiterwagen geworfen und angeblich als Brennmaterial irgendwohin abtransportiert. Eine Kontrolle des Zustands oder etwaige Reparaturen der Kirche waren nicht möglich, da der Ort im Sperrgebiet lag.
Ab dem Jahr 1963 war dann der Abriss der Kirche geplant, unter dem Vorwand ihres baufälligen und lebensgefährlichen Zustands, und als sich die Lage 1965 lockerte und Denkmalpfleger Železná besuchten, konnten sie sie nur noch vermessen und einige Fotografien anfertigen. Aus der Fotografie, die Viktor Douba am 17. 3. 1965 aufnahm, geht hervor, dass sich das Mauerwerk trotz des desolaten Zustands der Kirche in guter Verfassung befand und ihr Abriss verlief rein zweckmäßig. Die Denkmalpfleger mussten sich beeilen, denn in das Mauerwerk der Kirche wurden bereits Löcher für die Sprengladungen gebohrt. Die Soldaten sprengten die verlassene Kirche und schoben ihre Trümmer zusammen mit dem benachbarten Friedhof mit einem Bulldozer beiseite. In den Jahren 1982-1984 nahmen neue Gebäude einer Kompanie der Grenzwache die Fläche ein, auf der Kirche und Friedhof gestanden hatten.
Die Geschichte der alten Schule in Železná
Der örtliche Lehrer Josef Toupal beschrieb die Beseitigung der Kirche in der Schulchronik: „Ende März kam es zum Abriss der Kirche, wobei zuerst der Dachstuhl abgetragen und die Balken den Gemeinden für die Aktion Z zugeteilt wurden. Den Rest der nicht benötigten Balken erhielt die Schule als Brennholz. Der Lehrer trug sie alle selbst in die Schule, wo er sie dann zersägte. Schätzungsweise waren es 8 m3. Bei der Sprengung der Kirche wurden das Schulgebäude und der Zaun beschädigt.
Zur Besichtigung der Schule kamen die Vertreter der Schulabteilung, die Genossen Thomayer, Fišer und Ruš.“ Die Chronik der tschechischen Minderheitenschule aus der Zeit ihrer Gründung ist nicht erhalten geblieben; während der Besatzung diente das Gebäude als Verwaltungsgebäude nationalsozialistische Organisationen, und die tschechische Schule wurde hier nach langen 6 Jahren Weltkrieg wieder eröffnet - am 17.9.1945. Während des Krieges wurde die gesamte Einrichtung der tschechischen Schule in die deutsche Schule gebracht, und gegen Kriegsende diente das Gebäude als Flüchtlingslager, wobei die gesamte verbliebene Einrichtung gestohlen wurde. Beim Auszug aus der Schule verwüsteten die Nationalsozialisten das Gebäude von innen wie von außen. Nach der Wiedereröffnung besuchten insgesamt 56 Kinder die Schule, und da es sich vor allem um Kinder der einheimischen Deutschen handelte, konzentrierte sich der Unterricht in erster Linie auf das Tschechische. Die ursprüngliche Schülerzahl sank beständig, die Kinder nahmen wiederholt an Arbeitseinsätzen zur Aufforstung des Waldes bei Pleš teil. Im Jahr 1950 pflanzten sie beispielsweise in 7 Tagen 1 500 Bäume.
Am 15.3.1952 wurde die Schule geschlossen, und auf Beschluss der Militärverwaltung mussten alle das Sperrgebiet verlassen. Im Jahr 1956 kam es dann zu einer erneuten Wende: Železná wurde wieder besiedelt, und man vereinbarte, dass die Schule 1958 generalsaniert werden sollte, damit die Kinder nicht in das 8 km entfernte Smolov gehen mussten; vorübergehend wurde die Schule im Haus Nr. 48 untergebracht – zu jener Zeit besuchten sie nur 6 Kinder. Der Unterricht begann am 2.3.1959 wieder im instand gesetzten Gebäude. Die Umgebung und der Spielplatz entstanden in Eigenleistung, anschließend wurde ein Gemüsegarten angelegt und es wurden ein Gesundheitszirkel sowie eine örtliche Pioniergruppe eröffnet. Dank des Lehrers entstanden eine Handpuppengruppe und eine Schülerbibliothek, und es fand sogar ein Schlittenrennen statt. Auch eine Eisfläche für den Winter wurde angelegt – nur besaßen die Schüler zusammen lediglich zwei Paar Schlittschuhe. Der örtliche Nationalausschuss in Smolov, dem die Schule unterstand, versorgte sie nicht mit Lehrmitteln, und so wurden Kreide, Tinte, Waschutensilien und alles Übrige besorgten sich die Lehrer selbst aus eigenen Mitteln Der Lehrer musste sich sogar mit seiner Frau und seinen Verwandten aus eigener Kraft an den Umbau der Lehrerwohnung machen. Die Schule litt unter einer starken Fluktuation der Schüler. Ins Grenzgebiet kamen häufig Waldarbeiter, die rasch wieder fortzogen, das Leben war hier hart, die Frauen fanden keine Arbeit, und ins Dorf führte nicht einmal eine asphaltierte Straße. In dem Dorf, das vor dem Krieg größer war als Bělá, wohnten im Jahr 1973 nur noch 6 Familien, genau 29 Einwohner, und die Lage war trostlos. Die meisten Häuser wurden als Ferienhäuser verkauft. Der letzte Schultag der hiesigen Schule war der 27.6.1975. In der Schulwohnung wohnte danach eine Verkäuferin, und die Kinder fuhren zur Schule nach Bělá nad Radbuzou.
Nach den Publikationen Železná – Eisendorf von Zdeněk Procházka (2025) und Verschwundene Dorfschulen der Pilsner Region IV von Miroslav Michalec (Machart, 2024)
REISEZIEL ČESKÝ LES

Der Český les ist die natürliche Fortsetzung der Šumava (Böhmerwald). In einem schmalen, 6–17 km breiten Streifen zieht er sich auf einer Länge von etwa 80 km entlang der Staatsgrenze zu Deutschland, von Folmava bis zum südlichen Teil der Chebská kotlina (Egerer Becken). Das Gebiet unberührter Natur erstreckt sich über eine Fläche von 473 km². Auf der tschechischen Seite des Gebirges liegen zwei Gipfel mit einer Höhe von über 1000 m ü. M., der Aussichtsturm Čerchov (1041 m ü. M.) und der Berg Skalka (1008 m ü. M.). Die deutsche Seite des Gebiets ist ein Naturpark, bei uns unter dem Namen Hornofalcký les (Oberpfälzer Wald) bekannt.
Unmittelbar nach der Aufhebung des Grenzstreifens im Jahr 1989, als dieses lange abgeschottete Gebiet der breiten Öffentlichkeit zugänglich wurde, entstand 1990 der erste Vorschlag, hier ein Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Den Naturschützern war die Notwendigkeit sehr wohl bewusst, dieses Gebiet mit seinem außerordentlich gut erhaltenen Naturcharakter zu sichern. Dank ihrer unermüdlichen Beharrlichkeit, zahlreicher Verhandlungen, Ortsbegehungen und Beratungen erreichten sie schließlich ihr ersehntes Ziel. Die Vorschläge durchliefen eine Reihe von Überarbeitungen, und am 12. 1. 2005 wurde das Landschaftsschutzgebiet Český les per Regierungsverordnung ausgewiesen, mit Wirkung zum 1. 8. 2005.
Das Landschaftsschutzgebiet Český les ist in vier Naturschutzzonen gegliedert.
Zur Zone I zählen die Torfmoore sowie Fragmente von Buchenwäldern, die sich an schwer zugänglichen Stellen erhalten haben.
Zone II umfasst sowohl natürliche als auch veränderte Ökosysteme: Flussauen, Weiden, Feuchtgebiete und Wiesen.
In der III. Zone finden sich die übrigen Waldbestände, überwiegend gleichförmige und gleichaltrige Fichtenmonokulturen.
Die IV. Zone umfasst überwiegend landwirtschaftliche Flächen, größere aktiv bewirtschaftete Ackerlandeinheiten.
Der Český les wird als Ganzes in vier Untereinheiten gegliedert: Čerchovský les, Kateřinská kotlina, Přimdský les und Dyleňský les. Diese Untereinheiten lassen sich in weitere, kleinere Bezirke unterteilen. Der Čerchovský les nimmt etwa ein Drittel des gesamten Gebiets des Český les ein. Er ist größtenteils von Fichtenwäldern bedeckt und gliedert sich in die Haltravská hornatina, die Nemanická vrchovina und die Ostrovská vrchovina. Die Kateřinská kotlina, eine weitere Untereinheit mit einer Fläche von 57 km², die vom Kateřinský potok durchflossen wird, weist ein gleichförmiges Relief auf und wird deshalb nicht weiter untergliedert. Der Přimdský les ist ein stark gegliedertes Bergland mit einer Fläche von 330 km². Er teilt sich in vier Bezirke: die Málkovská, die Plešivecká und die Havranská vrchovina sowie die Rozvadovská pahorkatina. Der Dyleňský les ist die letzte Untereinheit, deren genauere Gliederung von den geomorphologischen Gegebenheiten abhängt.
Das Wasser ist ein untrennbarer Bestandteil der Landschaft des Český les. Teiche und Sümpfe prägen seit jeher ihr charakteristisches Erscheinungsbild. Ein bedeutendes Feuchtgebiet sind die Postřekovské rybníky in der Region Domažlice. In dem Gebiet können Sie kristallklare Bäche bewundern, etwa den Kateřinský und den Nemanický, die zum Einzugsgebiet der Donau gehören und somit zum Schwarzen Meer entwässern. Wertvolle Naturgebilde sind auch die Gebirgsbäche und die Auen der Wasserläufe, die selten erhaltene Feuchtgebietsökosysteme darstellen. Im Český les entspringen zudem zwei bedeutende westböhmische Flüsse – die Mže und die Radbuza.
DIE GESCHICHTE DER REGION ČESKÝ LES

Archäologische Funde aus dem Gebiet des Český les (Böhmischer Wald) belegen eine Besiedlung bereits in urgeschichtlicher Zeit. Wegen der Unwegsamkeit und der starken Bewaldung der Landschaft ist diese Region archäologisch jedoch größtenteils unerforscht geblieben. Die Anfänge der archäologischen Forschung im Český les hängen mit der Beliebtheit des Sammelns zusammen. In Fachkreisen gilt der Fund eines Bronzewagens in einem der Hügelgräber unweit von Milavče bei Domažlice als Kultfund. An derselben Stelle kamen außerdem ein Bronzeschwert und ein großes amphorenförmiges Gefäß aus Bronzeblech zutage, das dank der Arbeit von Restauratoren heute im Museum in Mainz zu sehen ist.
In den Sammlungen des Chodenmuseums in Domažlice haben sich verschiedene Kesselchen und kleine Amphoren erhalten. Im Museum des Český les in Tachov sind Artefakte aus der späten Steinzeit zu sehen, etwa ein Hammerbeil und ein Beil.
Die Besiedlung nahm bereits im Mittelalter zu, doch wegen der unwirtlichen Lage blieb sie ohne dauerhaften Charakter. Der Kolonisationsprozess stieß besonders im Gebiet von Domažlice auf Schwierigkeiten, nicht nur wegen der rauen klimatischen Bedingungen, sondern auch wegen der Zwistigkeiten zwischen zwei Volksgruppen – der böhmischen und der bayerischen Seite. Entlang der Steige entstanden auf beiden Seiten, der tschechischen wie der deutschen, befestigte Wachposten, während die Landesgrenze unbeständig und beweglich war. Es kam zu Interessenkonflikten zwischen den böhmischen Fürsten und den Nachbarn aus Bayern und der Oberpfalz. Ein großes militärisches Aufeinandertreffen war die Schlacht des Fürsten Břetislav I. gegen den deutschen Kaiser Heinrich III. bei Brůdek im Jahr 1040, in der die böhmischen Truppen siegten.
Daneben verlief auch die klösterliche Kolonisation – 1115 entstand in Kladruby das erste westböhmische Benediktinerkloster und 1193 das Prämonstratenserkloster in Teplá. Die Umgestaltung der dörflichen Siedlungen, für die die neuen Feudalherren verantwortlich waren, beschleunigte sich, und es begannen kleinere Städtchen zu entstehen. Bereits die Chronik des Cosmas erwähnt eines von ihnen - Bělá nad Radbuzou, das einst eines der Zentren der Choden war. Eine historisch bedeutende Spur hinterließen im Český les die Choden – die Hüter der Landesgrenze. Diese Kolonisten besetzten den Streifen vom Všerubský průsmyk bis in die Gegend von Tachov. Die erste Erwähnung der Choden stammt aus der Dalimil-Chronik vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Historiker halten sie für Bewohner serbischer Herkunft, was auch die älteste Chodensiedlung bei Srbice auf ihrem Gebiet bestätigt. Die Choden besaßen eigene Privilegien, ein eigenes Gericht und einen eigenen Richter. Im Laufe der Zeit erloschen ihre Vorrechte jedoch durch den Bau befestigter Burgen, durch die entstehenden Städte und durch die Kolonisation durch deutsche Bevölkerung.
Unter der Herrschaft von Přemysl II. Otakar entstand ein Netz von Städten, darunter auch die Königsstädte Domažlice und Tachov. In dieser Zeit entstand ebenfalls eine Reihe von Burgen, etwa Přimda, die Bastei in Tachov, Nový und Starý Herštejn oder Rýzmberk. Die Rivalität um die Kaiserkrone zwischen Karl IV. und Ludwig IV. dem Bayern verstärkte das militärische Interesse der Luxemburger an Westböhmen und an dessen Verteidigung gegenüber den Nachbarn. Karl IV. plante zwar, durch die Verbindung von Tachov, den umliegenden Dörfern und der Mitgift seiner Frau Anna Falcká (Horní Falc, die Oberpfalz) das sogenannte „Neuböhmen“ zu schaffen, doch gelang es ihm nicht, dieses Vorhaben vollständig umzusetzen. Durch die häufigen Reisen Karls IV. durch dieses Gebiet von Prag nach Nürnberg entstand der sogenannte „Nürnberger Steig“, der für Verkehr und Handel eine wichtige Rolle spielte.
Aufgrund seiner Lage war der Český les ständigen Angriffen ausgesetzt. Der vierte Kreuzzug, vom Reichstag und vom Papst organisiert, sollte von Nürnberg über Cheb und Tachov vorrücken, doch entschieden sich die Kreuzfahrer schließlich für die Eroberung der Stadt Stříbro. Die hussitischen Heere unter Führung von Prokop Holý reagierten jedoch rasch und vertrieben die Kreuzfahrer von den Toren Stříbros. Die Kreuzfahrer trugen schwer an ihrer Niederlage, und im Rahmen des fünften Zuges begannen am 1. August 1431 mit der Belagerung von Tachov. Sie verwüsteten die weite Umgebung, brannten das Städtchen Brod und weitere 200 Dörfer nieder und trafen sogar einen Teil der Domažlicer Vorstadt. Auch diesen Feldzug schlugen die Hussiten am 14. August zurück. Die Hussitenkriege führten zu großen Veränderungen im Grundbesitz. Die erzbischöflichen Güter in Horšovský Týn und in Velký Bor gingen unter, und auch das Kloster Kladruby wurde beschnitten. Zwar trugen die Hussitenkriege dazu bei, dass die Städte auch im Grenzgebiet tschechischer wurden, doch die Obrigkeit begann, neue deutsche Kolonisten ins Land zu rufen.
Erst im 18. Jahrhundert erlebte der Český les dank veränderter Besitzverhältnisse und des Aufstiegs der Habsburger einen großen Aufschwung von Handwerk und Wirtschaft. Die Wälder waren eine reiche Holzquelle, die nicht nur als Brennstoff, sondern auch in den Glas- und Eisenhütten genutzt wurde. Diese Zeit nennen wir die „Glasexpansion“. Zu den ältesten Glashütten zählen Stará Huť u Rybníka, Eisendorfská huť, Štráská, Horní und Karlova Huť. Die in Kohlenmeilern gebrannte Holzkohle diente zudem als Reduktionsmittel beim Verhütten von Eisen- und Zinkerzen.
PERSÖNLICHKEITEN DES ČESKÝ LES

Rodina Berchem-Haimhausen
Ursprünglich eine bedeutende Bürger- und Patrizierfamilie aus Köln, arbeitete sie sich durch ihren Dienst am bayerischen Hof in den bedeutenden Adel empor. Die Herrschaft Chodová Planá erwarben die Berchem-Haimhausen im 18. Jahrhundert durch Erbschaft nach dem verwandten Geschlecht der Haimhausen – und sie blieb mehr als zwei Jahrhunderte in ihrem Besitz, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
Für die gesamte Region waren sie ein Schlüsselgeschlecht. Das bestehende Schloss in Chodová Planá gestalteten sie zu einem eleganten Sitz um, umgeben von einem weitläufigen englischen Park, und erwarben sich große Verdienste um die Entwicklung der örtlichen Wirtschaft, vor allem um die Tradition der Schlossbrauerei. Als großzügige Mäzene schrieben sie sich mit der Förderung der örtlichen Schulen, Kirchen und der Sozialfürsorge in die Geschichte ein. Ihre lange Ära im Český les endete im Jahr 1945, die Spuren ihres Wirkens sind in der Landschaft und der Architektur von Chodová Planá jedoch bis heute sichtbar.
Rod Coudenhove
Das ursprünglich brabantische Adelsgeschlecht Coudenhove hinterließ in Westböhmen eine unauslöschliche Spur. Der jüngere böhmische Zweig, vertreten durch Graf Franz Karl Coudenhove, erwarb 1864 Gut und Schloss in Poběžovice. Damit begann ein faszinierendes Kapitel der Geschichte, das die Region mit dem fernen Orient und dem Gedanken eines modernen Europas verbindet.
Franz' Sohn Heinrich, ein weit gereister Diplomat und Polyglott, brachte seine Ehefrau Mitsuko Aoyama, die erste in Böhmen lebende Japanerin, auf den Sitz in Poběžovice. Ihr Sohn, Graf Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, verbrachte seine Kindheit eben hier in Poběžovice. In der Zwischenkriegszeit wurde er zum Begründer der Paneuropa-Union und zu einem der ersten Visionäre eines geeinten Europas. So bleibt das Schloss in Poběžovice bis heute ein Andenken an einen Ort, an dem Weltgeschichte, Kultur und ein weiter Horizont zusammentrafen.
Karel Josef Heidler z Heilbronnu
Als Spross einer angesehenen Bürgerfamilie, genialer Arzt und Visionär der Balneologie hat er sich unauslöschlich in die Geschichte Westböhmens eingeschrieben. Er wirkte als erster offizieller Kurarzt in Mariánské Lázně, und er war es, der der örtlichen Heilbehandlung eine wissenschaftliche Ordnung und einen weltweiten Namen gab.
Seine fachliche Kompetenz und sein menschlicher Umgang zogen die berühmtesten Persönlichkeiten des damaligen Europa in die Region. Zu seinen bedeutendsten Patienten und engen Freunden zählte Johann Wolfgang Goethe selbst, um dessen Gesundheit und Kuraufenthalte sich Heidler kümmerte. Für seine außerordentlichen Verdienste um die Entwicklung der Medizin und um die Bekanntmachung der Region wurde er in den Adelsstand mit dem Prädikat von Heilbronn erhoben.
Rod Metternichů
Das bedeutende Adelsgeschlecht der Metternichs schrieb sich im Jahr 1623 in die Geschichte der Region ein. Obwohl das Geschlecht vor allem durch das Wirken des Diplomaten und Geheimen Rates Franz Georg Metternich sowie seines Sohnes, des Kanzlers Klemens Wenzel, bekannt ist, hatte sein Einfluss auch auf den Český les selbst und die Umgebung von Železná grundlegende Auswirkungen.
Die Metternichs waren nicht nur Politiker, sondern auch tüchtige Wirtschafter. Sie hauchten den tiefen Wäldern hier Leben ein: Sie förderten die Glasmacherei, die Forstwirtschaft und den Bau von Wegen, die das Grenzland mit der übrigen Welt verbanden. Spuren ihrer Verwaltung, ihrer Forstreviere und ihres handwerklichen Erbes sind in der Geschichte von Železná und der umliegenden Landschaft bis heute erkennbar.
Rod Windisch-Graetz
Das bedeutende Adelsgeschlecht der Windisch-Graetz ist eng mit der Entwicklung der gesamten Region Tachov und der angrenzenden Wälder des Český les verbunden. Schlüsselfigur war Fürst und österreichischer Feldmarschall Alfred I. Windisch-Graetz, der das Schloss in Tachov zum Hauptsitz der Familie und zum Zentrum seiner ausgedehnten Herrschaft in Westböhmen machte.
Im Jahr 1825 erweiterte er den Familienbesitz um die ehemalige Benediktinerabtei in Kladruby bei Stříbro, die er unter anderem in eine Familiengruft umgestaltete. Die Windisch-Graetz haben sich dem Gedächtnis der Region unauslöschlich eingeprägt, nicht nur durch die umfangreiche Verwaltung von Wäldern und Landwirtschaft, sondern auch durch den Bau der einzigartigen neuromanischen Reithalle in Světce bei Tachov – der zweitgrößten in Mitteleuropa, die bis heute allen Besuchern des Český les den Atem raubt.
Rod Kolowratů
Das Herz des Český les rund um Přimda ist bereits seit dem 17. Jahrhundert untrennbar mit einem der ältesten böhmischen Adelsgeschlechter verbunden – mit den Kolowrats. Mitglieder dieses bedeutenden Geschlechts bekleideten im Laufe der Geschichte höchste Staatsämter, saßen im Reichsrat und erhielten für ihre Dienste die höchsten Auszeichnungen des Herrschers.
Ihr auffälligster Abdruck in der Landschaft ist das barocke Jagdschloss Diana, umgeben von einem romantischen englischen Park und einem weitläufigen Tiergarten. Die Kolowrats waren nicht nur hohe Politiker, sondern vor allem aufgeklärte Wirtschafter. Ihre tiefe Verbundenheit mit den hiesigen Wäldern und Traditionen bestätigen sie auch in der Gegenwart – als zurückgekehrte Eigentümer kümmern sie sich bis heute vorbildlich um die Wälder von Přimda, um die Denkmäler und um die Entwicklung der gesamten Region.
Jaroslav Vrchlický
Der Dichter, der dem Rauschen der hiesigen Wälder lauschte
Der berühmte tschechische Dichter, Dramatiker und Übersetzer Jaroslav Vrchlický erlag auf seinen Sommerreisen dem Zauber des westlichen Grenzlandes und des Český les. Die tiefen, nebligen Wälder und die stillen Winkel waren für ihn eine Oase der Ruhe, in die er vor dem geschäftigen Stadtleben floh.
Die ungezähmte Natur und das Rauschen der jahrhundertealten Bäume wurden zur unmittelbaren Inspiration für seine lyrische Dichtung. Vrchlický empfand den Český les als ein lebendiges Wesen mit eigener Seele und eigenem Gedächtnis – und sein Vermächtnis lebt bei uns weiter. Gerade die Poesie und die Verse von Jaroslav Vrchlický waren die Inspiration für die Namen der einzelnen Zimmer in unseren Boutique-Apartments, damit jeder Gast ein Stück dieser romantischen Atmosphäre und schöpferischen Ruhe mitnehmen kann.
Jan Sladký Kozina
Ein stolzer Wächter der Grenzen und Traditionen des Chodenlandes
Der Name Jan Sladký Kozina ist untrennbar mit dem stolzen Volk der Choden verbunden, dessen Aufgabe es über Jahrhunderte war, die Landesgrenze und die Pässe der tiefen Wälder des Český les zu bewachen. Der legendäre Anführer des Chodenaufstands wurde zum Sinnbild für die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Freiheit und für die Treue zur Heimat.
Geschichten über die Chodenprinzipien, über die Wachhunde und über den unablässigen Kampf um die Bewahrung der alten Rechte hallen bis heute in der gesamten Landschaft nach, von Hrádek über Újezd bis hin zu den Grenzsiedlungen rund um Bělá nad Radbuzou und Železná.
Jindřich Šimon Baar
Der Dichter und Chronist der Seele des Český les
Der im nahen Klenčí pod Čerchovem geborene Priester und Schriftsteller Jindřich Šimon Baar liebte die unbändige Natur des Český les von ganzem Herzen. In seinen Werken, allen voran in der berühmten Chodentrilogie, hielt er den unverwechselbaren Geist dieser Landschaft fest, ihre eigenwilligen Bewohner, die Volksbräuche und die raue Schönheit der Grenzwälder.
Seiner feinfühligen Feder ist es zu verdanken, dass bis heute die Erinnerung an eine Zeit lebendig wird, in der in den Häusern unterhalb der Tore des Waldes alte Sagen erzählt wurden und die Menschen in tiefem Einklang mit der Natur und dem Glauben lebten.
Božena Němcová
Eine verzauberte Wanderin durch das Chodenland an der Grenze
Die berühmte tschechische Schriftstellerin erlag während ihrer Aufenthalte in der Gegend um Domažlice und Všeruby dem magischen Zauber des westlichen Grenzlands. Die tiefen Wälder des Český les, abgelegene Siedlungen und die Geschichten einfacher Menschen waren für sie eine gewaltige Quelle der Inspiration.
Sie wanderte auf den alten Pfaden, lauschte den Erzählungen der Zeitzeugen und sammelte die Märchen und Sagen der Gegend. Der Český les war für sie eine Landschaft voller ungezähmter Poesie, voller Geheimnis und echter menschlicher Güte, die sie ihren volkskundlichen Bildern und Märchen einhauchte.
Die Glasmacherfamilien Fuchs und Schrenk
Meister, die den tiefen Wäldern Leben einhauchten
Bevor der Český les zu einem stillen Refugium der Natur wurde, war er ein Land lodernder Glasöfen. Bedeutende Glasmacherfamilien wie Fuchs oder Schrenk gehörten zu den Pionieren, die in den undurchdringlichen Wäldern rund um Železná und Bělá nad Radbuzou berühmte Glashütten und Siedlungen gründeten.
Ihre Meisterschaft brachte das berühmte „Waldglas“ und fein geschliffene Spiegel hervor, die in die ganze Welt gingen. Die Glasmacher strebten nicht nur nach handwerklicher Vollkommenheit, sondern prägten auch das Gesicht der hiesigen Landschaft – sie bauten Häuser, schlugen Lichtungen und verliehen den stillen Waldtälern einen unverwechselbaren industriellen Geist.
LEGENDEN DES BÖHMISCHEN WALDES

Skřítek Nikl
Der geheimnisvolle Wächter und Geist des Český les
Wann immer sich über den Wäldern des Český les Nebel erhebt und der Wind zwischen den Bäumen rauscht, wissen die Einheimischen, dass der Waldschrat Nikl durch die Landschaft streift. Dieser sagenhafte Schutzpatron und Geist der hiesigen Wälder wachte jahrhundertelang über Glasmacher, Holzfäller und Wanderer. Guten Menschen mit reinem Herzen weist er den rechten Weg, er schützte sie vor Unwettern und half den Glasmachern in den Hütten, das Feuer zu halten. Wer den Wald jedoch ohne Achtung oder voller Gier betrat, den führte Nikl unbarmherzig in die tiefen Sümpfe. Die Sage von ihm lebt in den Grenzwäldern rund um Železná bis heute fort.
Pověsti od hranice
Die Wesen, die in den moosigen Tümpeln geboren wurden
Ungezähmte Wälder, Felsenmeere und wilde Torfmoore haben die menschliche Fantasie seit jeher beflügelt. Die alten Siedlungen rund um Železná und Bělá nad Radbuzou gaben über Generationen hinweg Geschichten von wilden Jagden, von geheimnisvollen Lichtern über den Mooren und von verwunschenen Schätzen im Inneren alter Burgen weiter. Diese Sagen sind keine bloßen Märchen – sie sind die Seele des Český les (Böhmischer Wald), die jedem Stein und jedem alten Baum seine eigene, unverwechselbare Geschichte verleiht.
Die Legende von der Weißen Frau der Barockbrücke in Bělá nad Radbuzou
Wann immer sich über der Radbuza in Bělá dichter Abendnebel senkt, erzählt man von einer stillen Gestalt in weißen Gewändern, die zwischen den Heiligenfiguren auf der alten Steinbrücke entlanggeht. Zeitzeugen zufolge handelt es sich um die Seele der jungen Tochter eines hiesigen Baumeisters, die während des Brückenbaus im 18. Jahrhundert über das kostbare Werk wachte. Es ist jedoch kein Geist, vor dem sich die Menschen fürchten müssten – die Weiße Frau von Bělá ist eine gütige Schutzpatronin. Sie beschützt Wanderer, die im Dunkeln über den Fluss in die Wälder des Český les gehen, und wacht darüber, dass das wilde Wasser der Brücke niemals schadet.
Die Legende vom Kobold Nikl und der Glasmacherlampe
In den Zeiten, als in den tiefen Wäldern um Železná und Bělá nad Radbuzou Tag und Nacht die Glasöfen brummten, lebte im Moos unter einem alten Felsblock am Huťský-Bach der Kobold Nikl. Er war nicht größer als ein Glasmacherstiefel, trug eine Mütze aus Baumpilz, ein Mäntelchen aus Rinde und hielt eine kleine Laterne, die in tiefblauem Licht leuchtete.
Nikl war der gerechte Wächter des Hochwaldes. Er achtete darauf, dass die Glasmacher nicht mehr Holz schlugen, als die Öfen brauchten, und dass die Holzfäller die Stille des Waldes achteten.
In einer frostigen Winternacht machte der junge Gehilfe Jan in der Glasschmelze bei Železná Halt. Er war erschöpft, hatte die ganze Schicht über den Ofen befeuert und schlief vor Müdigkeit für einen Augenblick ein. Da schlich sich ein wilder Nordwind in die Hütte, stieß das Fenster auf, und die Flamme im Ofen begann jäh zu erlöschen – für die Glasmacher bedeutete das den sicheren Untergang, denn die erstarrte Glasmasse hätte den Ofen unwiederbringlich zerstört.
Als Jan erschrocken erwachte, erblickte er an der Ofentür eine kleine Gestalt. Mit seiner blauen Laterne blies Nikl in die letzten glühenden Kohlen. Kaum war die Flamme wieder aufgelodert und der Ofen gerettet, wandte sich der Wichtel zu Jan um, legte den Finger auf die Lippen zum Zeichen des Schweigens und drückte ihm ein kleines, durchsichtiges Glassteinchen in die Hand.
Denjenigen, die ehrlich und mit Achtung vor dem Wald arbeiteten, brachte Nikl Glück und bewahrte sie vor Unheil. Von den Hochmütigen und Habgierigen aber, die im Wald lärmten oder junge Bäume fällten, hieß es, dass er sie ohne Gnade bestrafte – er entzündete in den Sümpfen ein trügerisches Lichtlein und führte sie so tief in die Moore, dass sie den Rückweg bis zum Morgengrauen suchten.
GESCHICHTE IM LAUFE DER ZEIT

Der raue Charakter des Gebirges Český les nimmt Sie mit seiner unberührten Natur gefangen und hüllt Sie nicht nur in geheimnisvolle Erinnerungen an die untergegangenen Dörfer im Grenzland, sondern lässt Sie auch an die Zeit der mittelalterlichen Zlatá stezka, des Goldenen Steigs, denken. Werfen Sie einen Blick auf die Zeitachse der historisch bedeutsamen Ereignisse im Český les.
Pravěk
Kleine historische Funde zeigen erste Spuren aus dem Spätpaläolithikum (10 000 v. Chr.); archäologisch ist das Gebiet wegen der Undurchdringlichkeit der Wälder wenig erforscht. Die Anfänge der archäologischen Erforschung des Český les hängen mit der Sammelleidenschaft zusammen.
In Fachkreisen gilt der Fund eines Bronzewagens in einem der Hügelgräber nahe Milavče bei Domažlice als Kultfund. Dort wurden außerdem ein Bronzeschwert und ein großes amphorenförmiges Gefäß aus Bronzeblech entdeckt. Dank der Restauratoren können wir es heute im Museum in Mainz betrachten. In der Sammlung des Chodenmuseums in Domažlice haben sich Kesselchen und kleine Amphoren erhalten. Im Museum des Český les in Tachov sind ein Axthammer und ein Beil aus der späten Steinzeit zu sehen.
Středověk
Eine Zeit des Anwachsens der Besiedlung vor allem im Gebiet um Domažlice, die aufgrund der unwirtlichen klimatischen Bedingungen jedoch nicht von Dauer war; der Kolonisationsprozess stieß zudem auf Spannungen zwischen zwei Volksgruppen – der tschechischen und der bayerischen Seite. Entlang der Steige entstanden auf beiden Seiten, der tschechischen wie der deutschen, befestigte Wachposten, doch die Landesgrenze blieb unbeständig und beweglich. Immer wieder prallten die Interessen der böhmischen Fürsten und der Nachbarn aus Bayern und der Oberpfalz aufeinander. Ein großes militärisches Ereignis war die Schlacht des Fürsten Břetislav I. gegen den deutschen Kaiser Heinrich III. bei Brůdek im Jahr 1040, aus der die böhmischen Truppen als Sieger hervorgingen.
Es kam auch zur klösterlichen Kolonisation und zur Entstehung des ersten westböhmischen Benediktinerklosters in Kladruby im Jahr 1115 sowie des Prämonstratenserklosters in Teplá im Jahr 1193. Die Umgestaltung der dörflichen Siedlungen, für die die neuen Feudalherren zuständig waren, beschleunigte sich, und es begannen kleinere Städtchen zu entstehen. Bereits die Chronik des Cosmas erwähnt eines davon – Bělá nad Radbuzou, das einst eines der Zentren der Choden war.
Chodové
Die Wächter der Landesgrenze im Gebiet des Český les besetzten den Streifen vom Všerubský průsmyk bis in die Gegend von Tachov. Die erste Erwähnung der Choden findet sich in der Dalimil-Chronik vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Historiker halten sie für Bewohner serbischer Herkunft, worauf auch die älteste Chodensiedlung auf Chodenboden bei Srbice hindeutet. Die Choden besaßen eigene Privilegien, ein eigenes Gericht und einen eigenen Richter. Diese verloren sich jedoch mit dem allmählichen Entstehen befestigter Burgen und Städte sowie mit der Kolonisation durch deutsche Bevölkerung. Unter der Herrschaft von Přemysl II. Otakar wurden die Königsstädte Domažlice und Tachov gegründet. Es kam zu einem gewaltigen Burgenbau – Hrad Přimda, die Burgbastei in Tachov, Nový und Starý Herštejn oder Hrad Rýzmberk.
Die Rivalität um die Kaiserkrone zwischen Karl IV. und Ludwig IV. dem Bayern weckte ein verstärktes militärisches Interesse der Luxemburger an Westböhmen und an dessen Verteidigung gegenüber den Nachbarn. Karl IV. konnte sein Vorhaben eines „Neuböhmen” durch die Verbindung von Tachov, den umliegenden Dörfern und der Mitgift seiner Gemahlin Anna von der Pfalz (Oberpfalz) nicht vollständig verwirklichen. Durch seine häufigen Reisen durch diese Landschaft von Prag nach Nürnberg legte er den Grundstein für den „Nürnberger Steig“.
Husitství
Der vierte Kreuzzug, der vom Reichstag und vom Papst organisiert wurde, sollte von Nürnberg über Cheb und Tachov vorrücken, doch schließlich entschieden sich die Kreuzfahrer für die Eroberung von Stříbro. Die hussitischen Heere unter der Führung von Prokop Holý reagierten jedoch rasch und vertrieben die Kreuzfahrer von den Toren Stříbros. Diese wollten ihre Niederlage nicht hinnehmen und begannen in Gestalt eines fünften Zuges am 1. August 1431 mit der Belagerung von Tachov, verwüsteten die weite Umgebung und brannten das Städtchen Brod, weitere 200 Dörfer und sogar einen Teil der Domažlicer Vorstadt nieder. Auch diesen Zug schlugen die Hussiten am 14. August zurück.
Die Hussitenkriege führten zu großen Verschiebungen im Grundbesitz: Die erzbischöflichen Güter von Horšovský Týn und Velký Bor gingen unter, auch das Kloster Kladruby wurde beschnitten. Zwar trugen die Kriege zur Tschechisierung der Städte im Grenzland bei, doch begann der Adel, neue deutsche Kolonisten ins Land zu holen.
Ein Wandel der Besitzverhältnisse
Der Verkauf der Güter an den deutschen Adel hatte den Aufstieg der Habsburger zur Folge. Es kam zur Entwicklung des wirtschaftlichen Unternehmertums, das den Reichtum der Wälder stark nutzte, sowie zum Holzeinschlag; das Holz diente nicht nur als Brennstoff, sondern auch für den Bedarf der Glas- und Eisenhütten. Diese Epoche bezeichnen wir als Glashüttenexpansion. Erwähnen können wir beispielsweise die älteste von ihnen, die Stará Huť u Rybníka, ferner die Eisendorfská huť, die Štraská, die Horní oder die Karlova Huť. Das Brennen von Holzkohle in Kohlenmeilern diente zudem als Reduktionsmittel beim Schmelzen von Eisen- und Zinkerzen.
Infolge der Nachkriegsnachfrage nach Eisen erlebte das Eisenhüttenwesen einen großen Aufschwung; Eisenhütten entstanden vor allem in den Orten Horšovský Týn und Trhanov. Die Wälder ernährten die Handwerker, insbesondere Holzfäller, Tischler und Wagner. Auch Bausteine wurden hier gebrochen. Nicht zuletzt darf die Wasserwirtschaft nicht vergessen werden, in deren Zuge Teiche angelegt wurden. Die Wasserkraft der Waldbäche nutzte man für Polierwerke, Glasschleifereien, Hammerwerke und Mühlen.
Dieser wirtschaftliche Aufschwung im Bereich des Unternehmertums führte dazu, dass die örtlichen Unternehmer zu Reichtum kamen, was der deutschen Seite nicht entging und in den Einfall bayerischer Truppen mündete. Es kam zu den Reformen des aufgeklärten Absolutismus und zur Aufhebung der Klöster. Der nationale Kampf zwischen Tschechen und Deutschen setzte sich auch im 19. Jahrhundert fort.
Von der Gründung der Republik bis zum Münchner Abkommen
Es kommt die Weltwirtschaftskrise, und am schwersten betroffen waren gerade die besiedelten nichtdeutschen Randgebiete der böhmischen Länder. Die negativen Auswirkungen auf den Export von Handwerkserzeugnissen waren beträchtlich und begünstigten bei den Nachbarn eine starke antitschechische Stimmung sowie die Entstehung der Sudetendeutschen Heimatfront. Es galt, die Grenzen zu bewachen und Kräfte zur Verteidigung der bedrohten Republik zu mobilisieren. Das westböhmische Grenzland war nach Hitlers Rede in Nürnberg Schauplatz des größten Widerstands fanatisierter Henlein-Anhänger gegen die Republik. Erst die Verhängung des Standrechts und das Verbot der Tätigkeit der sudetendeutschen Partei führten zur Beruhigung der Lage.
Železná opona
An der Prägung des Český les war auch die Errichtung des „Eisernen Vorhangs“ nach dem Februar 1948 beteiligt. In die streng bewachte Grenzzone durfte von da an niemand außer den Grenzsoldaten. Rohe Gewalt, elektrische Sperren, Minenfelder – all das stand sinnbildlich für den Český les, bis der Eiserne Vorhang im Jahr 1989 fiel. Die ausgesiedelten Dörfer wurden für immer vom Erdboden getilgt. Die vierzigjährige Herrschaft der kommunistischen Partei wirkte sich äußerst negativ auf die Entwicklung der Region Český les aus und hinterließ gewaltige kulturelle und soziale Schäden.
Současnost
Gleich nach der Aufhebung der Grenzzone im Jahr 1989, als dieses lange geheim gehaltene Gebiet der breiten Öffentlichkeit zugänglich wurde, entstand 1990 der erste Vorschlag zur Vorbereitung eines Landschaftsschutzgebietes. Dank des lange andauernden Betretungsverbots hat sich für uns eine einzigartige Naturlandschaft mit sehr geringer Besiedlungsdichte erhalten, fast wie zur Zeit des Mittelalters. Von den Hügeln der dichten Wälder erblicken Sie kaum die Lichter menschlicher Behausungen. Mit der geringen Besiedlung hängen auch die größere Entfernung zu den Städten, die hohe Arbeitslosigkeit und das fehlende Angebot an weiterführenden Schulen zusammen.
Sind Sie bereit
uns zu besuchen?



